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Eine Einführung in WAI und WCAG

Einführung in WAI

Die deutschen Gesetze und Verordungen orientieren sich an der Arbeit der internationalen Arbeitsgruppe in englischer Sprache Web Accessibility Initiative (WAI) des in englischer Sprache World Wide Web-Consortiums (W3C). Die WAI arbeitet mit Organisationen in der ganzen Welt zusammen, um Strategien, Richtlinien und Materialien zu entwickeln, die dazu beitragen sollen, das Internet für Menschen mit Behinderungen zugänglicher zu machen.

WAI Arbeitsgruppen

Die Arbeit der WAI findet in Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen statt. Beispiele für Arbeitsgruppen sind:

in englischer Sprache Authoring Tools Working Group (AUWG)
Die AUWG entwickelt Richtlinien, Methoden und unterstützt Ressourcen für Web "authoring tools" (Autoren unterstützende Werkzeuge), also Software zur Erstellung von Webangeboten.
in englischer Sprache Education and Outreach Working Group (EOWG)
Die EOWG entwickelt Sensibilisierungs- und Schulungsmaterialien sowie Unterrichtsmaterial zu Lösungen im Bereich Web-Zugänglichkeit.
in englischer Sprache Evaluation Tools Working Group (ERT WG)
Die ERT WG entwickelt Methoden und Werkzeuge, um die Zugänglichkeit von Webangeboten zu überprüfen und zum Umbau von Webangeboten zu zugänglicheren Angeboten.
in englischer Sprache Protocols & Formats Working Group (PFWG)
Die PFWG überprüft alle W3C Technologien in Bezug auf Zugänglichkeit.
in englischer Sprache Research and Development Interest Group (RDIG)
Die RDIG ermöglicht Diskussion und Ermittlung von Zugänglichkeitsaspekten im Bereich Forschung und Entwicklung von zukünftigen Web-Technologien.
in englischer Sprache User Agent Working Group (UAWG)
Die UAWG entwickelt Richtlinien, Methoden und unterstützende Materialien für Web "user agents" (Benutzeragenten) also u.a. Web-Browser und Media Player.
in englischer Sprache WAI Interest Group (WAI IG)
Die WAI IG ist eine öffentliche Gruppe, die eine Mailingliste für Diskussionen zu allgemeinen Themen aus dem Bereich Web-Zugänglichkeit anbietet.
in englischer Sprache Web Content Working Group (WCAG WG)
Die WCAG WG entwickelt Richtlinien, Methoden und unterstützende Materialien für Web "content" (Inhalte), also Informationen in einem Webangebot u.a. Text, Bilder, Formulare, Audio usw.

Weitere Gruppen sind die "W3C Member-only access groups" und die "WAI Coordination Group (member only)", deren Aufgabe die Koordination der einzelnen Gruppen ist.

Entwicklungsprozess von W3C Dokumenten

Alle Dokumente, die von der WAI in den einzelnen Arbeitsgruppen erarbeitet werden, werden zunächst als Entwürfe (Working Draft) veröffentlicht. Entwürfe können kommentiert werden und werden nach einiger Zeit von den Arbeitsgruppen aktualisiert. Bevor ein Entwurf zu einer Empfehlung (W3C Recommendation) wird, muss ein Dokument folgende Stufen durchlaufen:

Working Draft (WD)
Ein "Working Draft (Arbeitsentwurf) ist ein Dokument, das vom W3C zur Bewertung durch die Gesellschaft, inklusive der W3C Mitglieder, der Öffentlichkeit, und anderer technischer Organisationen veröffentlicht wird.
Candidate Recommendation (CR)
Eine "Candidate Recommendation" (Kandidat für Empfehlung) ist ein Dokument, das das W3C für weitgehend überprüft und die technischen Anforderungen der Arbeitsgruppe erfüllend hält. Das W3C veröffentlicht eine "Candidate Recommendation", um Erfahrungen mit der Umsetzung zu sammeln.
Proposed Recommendation (PR)
Eine "Proposed Recommendation" (vorgeschlagene Empfehlung) ist eine ausgereifte technische Beschreibung die, die nach umfangreichen Überprüfungen für fachlich einwandfreien Zustand und Umsetzbarkeit, vom W3C an den W3C Beirat zur abschließenden Bestätigung vorgelegt worden ist.
W3C Recommendation (REC)
Eine "W3C Recommendation (W3C Empfehlung) ist eine Spezifikation oder eine Sammlung von Richtlinien, die nach umfangreicher Konsensfindung, die Zustimmung der W3C Mitglieder und des Direktors erhalten hat. Das W3C empfiehlt den weitgehenden Einsatz seiner Empfehlungen.
Anmerkung: "W3C Recommendations" sind vergleichbar mit Standards, die von anderen Organisationen veröffentlicht werden.
 

Einführung in WCAG

WCAG 1.0

Eine für Internetangebote wichtige Richtlinie, die die Web Accessibility Initiative - WAI erarbeitet hat, sind die so genannten in englischer Sprache "Web Content Accessibility Guidelines" oder kurz WCAG. Diese Richtlinie ist in der zurzeit gültigen Version 1.0 bereits übersetzt worden. Die deutsche Übersetzung der WCAG heißt "Zugänglichkeitsrichtlinien für Web-Inhalte 1.0".

Die WCAG 1.0 bildet die Grundlage für die Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV). Sie unterscheiden sich lediglich in einigen Formulierungen, einer anderen Strukturierung und einigen kleinen Änderungen. Sie sind inhaltlich jedoch fast identisch. Da es auf den Internetseiten der WAI technische Erläuterungen zu den einzelnen Checkpunkten der WCAG 1.0 gibt, wird von den wob11-Seiten aus, von jeder einzelnen BITV-Bedingung aus, auf den entsprechenden Punkt in den Zugänglichkeitsrichtlinien verwiesen. Von dort aus wird auf die Technikdokumente der WAI weiter verwiesen, die für die Umsetzung der Barrierefreiheit konkrete Beispiele, teilweise mit HTML-Quelltexten angeben.

Checklisten

Die WAI hat für Entwickler von Internetseiten eine Checkliste zur Erstellung barrierefreier Internetseiten erarbeitet. Diese ist sowohl im englischen Original als auch in der deutschen Übersetzung verfügbar:

In dieser Liste sind alle Checkpunkte zu den von der WAI erstellten "Zugänglichkeitsrichtlinien für Web-Inhalte 1.0" aufgeführt (englischer Titel: "Web Content Accessibility Guidelines 1.0", oder kurz "WCAG 1.0"). Die Richtlinien sind ebenfalls im englischen Original und in der deutschen Übersetzung verfügbar:

WCAG 2.0

Die Arbeiten der WAI an der aktualisierten Richtlinie für barrierefreie Internet-Inhalte, die WCAG 2.0, liegen seit Dezember 2008 als offizielle Empfehlung des W3C vor. Aufgrund der regen weltweiten Beteiligung an der Entwicklung dieser Richtlinien und der Umfang hat sich die Verabschiedung um insgesamt etwa zwei Jahre verzögert.

Die neue Version der Richtlinie ist technologieunabhängig formuliert und orientiert sich an den 4 Grundsätzen des barrierefreien Webdesigns:

  1. Wahrnehmbarkeit
  2. Bedienbarkeit
  3. Verständlichkeit
  4. Technologische Robustheit/ Nachhaltigkeit

Weitere Informationen hierzu sind auf den in englischer Sprache offiziellen Seiten der WCAG 2.0 zu finden. Ergänzend bieten wir Ihnen einen ersten Eindruck über den Hintergrund und die Struktur der WCAG 2.0 in unserem Portal WoB11.

Seit dem 29.10.2009 ist auch eine vom W3C autorisierte Übersetzung ins deutsche ("in deutscher Sprache Richtlinien für barrierefreie Webinhalte") erhältlich. Die Übersetzung wurde initiiert von der Aktion Mensch und erfolgte unter Beteiligung vieler Experten im Bereich des barrierefreien Web-Designs, unter anderem dem Aktionsbündnis für barrierefreie Informationstechnik (AbI).