Zur Erstellung barrierefreier Fassungen einer vorliegenden Präsentation kann auf verschiedene Werkzeuge zurückgegriffen werden. Zum einen gibt es Zusatzprogramme - in der Regel - für Microsoft PowerPoint; diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich in die Office-Applikation integrieren, einen Großteil der aufwändigen Bearbeitung übernehmen und bei der manuellen Bearbeitung unterstützen. Dies erleichtert besonders bei der Konvertierung von Präsentationen mit integrierten Tabellen und zahlreichen Grafiken und Abbildungen die Arbeit enorm.
Zu diesen Werkzeugen zählen u. a.:
Andere Programme gehen noch einen Schritt weiter und erlauben es, eine Präsentation mit Audiomitschnitt, Inhaltsnavigation und Notizbereich zu versehen und als komplexe Anwendung auf HTML-Basis mit Plug-Ins für die Medien auszugeben. Beispiele für solche Werkzeuge sind:
Der Nachteil sowohl von LecShare als auch eTEACH ist, dass die Präsentationen auf zusätzliche Plug-Ins angewiesen sind, um Audio und Video darstellen bzw. wiedergeben zu können. eTEACH läuft sogar nur im Internet Explorer unter Microsoft Windows, da es neben dem Windows Media Player noch andere ActiveX-Elemente einsetzt, um Präsentationen wiederzugeben. Dadurch disqualifiziert sich dieses Werkzeug eigentlich wieder für die Erstellung barrierefreier Präsentationen, denn durch diese technischen Einschränkungen werden wieder neue Hürden aufgebaut, die den Zugriff und die Nutzung der Präsentationen unnötig erschweren.
Neben diesen kommerziellen Werkzeugen gibt es eine ganze Reihe an kostenfreien webbasierten Präsentationssystemen. Bei diesen Alternativen handelt es sich um HTML-Vorlagen, in die die eigenen Inhalte mit einem geeigneten Editor eingepflegt werden müssen.
Bis auf OperaShow arbeiten alle hier vorgestellten Alternativen mit allen aktuellen Browsern und Betriebssystemen zusammen. Mit älteren Browsern wie Netscape 4 oder Internet Explorer 5 kann es zu Problemen kommen, da die webbasierten Präsentationen auf die Unterstützung von CSS und JavaScript angewiesen sind.
Für die Erstellung webbasierter Präsentationen können alle hier vorgestellten Werkzeuge genutzt werden. Allerdings ist die Erstellung der Webseiten unterschiedlich aufwändig und bietet unterschiedliche Möglichkeiten. So unterstützen der IAWPW, PP2HTML sowie LecShare und eTEACH den Anwender bei der Erstellung webbasierter Präsentationen und geben Unterstützung bei der Umsetzung von Tabellen oder bei Alternativtexten für Bilder und anderen grafischen Elementen.
Weitere Unterschiede bei den webbasierten Präsentationen finden sich in den Möglichkeiten, alle Folien in einer einzigen Datei zu integrieren, die Anmerkungen und Notizen einer Präsentation mit auszugeben oder einfache Animationen (Texteinblendung, "Daumenkino"-Animationen durch inkrementelle Einblendung von Grafiken) zu realisieren.
| IAWPW | PP2HTML | S5 | HTML Slidy | DOMSlides | W3C Slidemaker | Slideous |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
Version/Jahr | 2.2 | 2006 | 1.2 | 2005 | 2005 | 2002 | 2005 |
Lizenzkosten | $ 39.95 | $19.95 - 69.95 | kostenlos | kostenlos | kostenlos | kostenlos | kostenlos |
Unterstützung bei der Erstellung | ja | ja | nein | nein | nein | nein | nein |
Unterstützung bei Tabellen | ja | nein | nein | nein | nein | nein | nein |
Unterstützung bei Grafiken | ja | ja | nein | nein | nein | nein | nein |
Integration in PowerPoint/OOo | ja/nein | ja/nein | nein/nein | nein/nein | nein/nein | nein/nein | nein/nein |
Animationen möglich | nein | nein | ja | ja | nein | nein | ja |
Notizbereich | ja | ja | ja | ja | nein | ja | nein |
Folien in einer Datei | nein | nein | ja | ja | ja | nein | ja |
Kenntnisse in HTML, CSS, JavaScript nötig | nein | nein, aber von Vorteil | ja | ja | ja | ja | ja |
Layout anpassbar | ja, begrenzt | ja, aber komplex | ja | ja | ja | ja | ja |
Punktzahl im BITV-Kurztest | 98,5 | nicht getestet | 93,8 (88,7) | 97,8 | 94,5 | 97,0 | 92,0 |
HTML-Slidy ist ein vom World-Wide-Web-Konsortium (W3C) entwickeltes System für browserbasierte Präsentationen. Auch bei Slidy werden alle Folien in einer HTML-Datei zusammengefasst und dann mittels JavaScript und CSS Folie für Folie eingeblendet. Ebenso wie S5 bietet Slidy die Möglichkeit, neben den Folien auch die Notizen zu jeder einzelnen Folie in die HTML-Datei zu integrieren.
Durch den Einsatz von CSS und JavaScript lassen sich unterschiedlichste Layouts realisieren. Um die Vorlagen an eigene Bedarfe anzupassen, sind Kenntnisse von HTML und CSS notwendig.
Slidy bietet CSS-Klassen, mit denen sich einzelne Auflistungen Punkt für Punkt einblenden lassen. Einfache Animationen sind durch das aufeinander folgende Einblenden von sich überlagernden Grafiken möglich. Mit einer weiteren CSS-Klasse können Aufzählungspunkte in einer einfachen Baumstruktur auf- und wieder ausgeblendet werden. Außerdem bietet Slidy die Option, die Notizen zu den einzelnen Folien in einem separaten Bereich zu jeder Folie zu hinterlegen. Slidy bietet über die Verwendung der einfachen Vorlagen und der CSS-Klassen hinaus keinerlei Unterstützung bei der Bearbeitung einer Präsentation.
Jede einzelne Folie besteht aus jeweils einem div-Element für die Folieninhalte und die Notizen oder Anmerkungen zu der Folie; diese beiden div-Elemente sind dann in einem übergeordneten div-Element angeordnet. Standardmäßig wird bei der Präsentation der Inhalt der Folie angezeigt. Eine Abschaltung von JavaScript oder CSS im Browser oder in dem entsprechenden Parameter in der HTML-Datei bewirkt eine Darstellung aller Folien inkl. Notizen. Dies ist auch die Druckansicht der Präsentation.
Slidy wird vollständig per Tastatur oder Maus bedient. Mit entsprechenden Tastenkürzeln kann die Schrift vergrößert oder verkleinert, das Inhaltsverzeichnis ein- oder ausgeblendet sowie innerhalb der Folien navigiert werden.
Beim Aufruf der HTML-Datei im Browser wird aus den H1-Überschriften jeder Folie eine Liste aller Folien einer Präsentation erzeugt und als Inhaltsnavigation in einem div-Element als Linkliste abgelegt. Per Tastatur, Mausklick oder ein- bzw. ausblendbarer Folienübersicht kann dann innerhalb der Präsentation navigiert werden.
Positiv
Negativ
S5 steht für "Simple Standards-Based Slide Show System" und bietet die Möglichkeit, alle Folien einer Präsentation in einer einzigen HTML-Datei abzulegen. Eingebettete Bilder und andere Grafiken kommen noch dazu. Die Präsentation selber kann mit jedem Werkzeug bearbeitet werden, das auch für die Erstellung von HTML geeignet ist; dies können ein einfacher Texteditor oder auch Anwendungen wie Adobe Dreamweaver sein.
Durch den Einsatz von CSS und JavaScript lassen sich unterschiedlichste Layouts realisieren. Einige Vorlagen können von der Webseite zu S5 heruntergeladen werden. Um die Vorlagen an eigene Bedarfe anzupassen, sind Kenntnisse von HTML und CSS notwendig.
S5 bietet CSS-Klassen, mit denen sich einzelne Auflistungen Punkt für Punkt einblenden lassen. Einfache Animationen sind durch das aufeinander folgende Einblenden von sich überlagernden Grafiken möglich. Außerdem bietet S5 die Option, die Notizen zu den einzelnen Folien in einem separaten Bereich zu jeder Folie zu hinterlegen. S5 bietet über die Verwendung der einfachen Vorlagen und der CSS-Klassen hinaus keinerlei Unterstützung bei der Bearbeitung einer Präsentation. Lediglich das Aussehen einer Präsentation kann durch das Einstellen entsprechender Parameter in der HTML-Datei angepasst werden.
Jede einzelne Folie besteht aus jeweils einem div-Element für die Folieninhalte und die Notizen oder Anmerkungen zu der Folie; diese beiden div-Elemente sind dann in einem übergeordneten div-Element angeordnet. Standardmäßig wird bei der Präsentation der Inhalt der Folie angezeigt. Eine Abschaltung von JavaScript oder CSS im Browser oder in dem entsprechenden Parameter in der HTML-Datei bewirkt eine Darstellung aller Folien inkl. Notizen. Dies ist auch die Druckansicht der Präsentation.
Beim Aufruf der HTML-Datei im Browser wird aus den <h1>-Überschriften jeder Folie eine Liste aller Folien einer Präsentation erzeugt und als Inhaltsnavigation in einer Auswahlliste abgelegt. Per Tastatur, Mausklick oder ein- bzw. ausblendbarer Navigation kann innerhalb der Präsentation navigiert werden.
Positiv
Negativ
Der
Illinois Accessibility Web Publishing Wizard (IAWPW) integriert sich in eine vorhandene Version von Microsoft Office und unterstützt bei der Ausgabe von Word-, Excel- oder PowerPoint-Dokumenten in Form von HTML-Dokumenten. Ein Assistent führt durch einen mehrschrittigen Prozess, bei dem u. a. Bilder mit Alternativtexten versehen, Tabellen und Diagramme aufbereitet und strukturiert sowie die Ausgabeformate bestimmt werden. Mit dem IAWPW ist es möglich, ein Dokument in insgesamt fünf unterschiedlichen Varianten ausgeben zu lassen: reine Textversion, Version mit hauptsächlich Text, eine Grafikversion, eine Übersichtsvariante sowie eine Gliederungsvariante ausgeben zu lassen. Getestet wurden aber nur die beiden Textversionen, da die Gliederungsvariante keine Präsentation mehr darstellt und die Grafik- und Übersichtsvariante hauptsächlich aus Bildern von den einzelnen Folien bestehen und damit nicht barrierefrei sind.
Die Ausgabe besteht aus mehreren HTML-Dokumenten, wobei für jede Folie und für jede Variante eine separate HTML-Datei angelegt wird. Dazu kommen noch die separaten Bilder, die als Grafik, Diagramm o.ä. in die Präsentation integriert werden. Die Dateien in werden vom IAWPW in separaten Ordnern verwaltet, wobei die gesamte Präsentation einen Wurzelordner hat.
Die Abwertungen beim BITV-Kurztest gehen auf folgende Kritikpunkte zurück:
Eine Anpassung der Ausgabe des IAWPW ist nur in einem engen Rahmen möglich. So können unterschiedliche Farbschemata ausgewählt werden, um Präsentationen ggf. an ein vorhandenes Design anzupassen. Ebenso können die Ausgabeformate bestimmt werden, so dass nicht immer alle möglichen Varianten ausgegeben werden. Um die Ausgabe an unterschiedliche Bildschirmformate anzupassen, können diese vorgewählt werden. Beim Export werden die in der Präsentation enthaltenen Bilder und Grafiken entsprechend skaliert ausgegeben.
Unter Aspekten der Barrierefreiheit bietet es sich an, als Ausgabeformat die Variante "Text mostly" zu wählen und in einer angemessenen Bildschirmauflösung ausgeben zu lassen. Diese Variante erreichte im BITV-Kurztest eine leicht bessere Bewertung als die reine Textvariante, kommt aber der Forderung nach "einer Version für alle" am nächsten. Die Ausgabe in nur einem Format ist zu empfehlen, wenn bei der Verwendung von Zitaten, Abkürzungen, Akronymen usw. eine entsprechende Nachbearbeitung notwendig ist.
Positiv
Negativ
Mit
PP2HTML können Präsentationen aus PowerPoint direkt in verschiedene Ausgabeformate auf HTML-Basis umgewandelt werden. Dazu bringt das Programm Vorlagen mit, die z. B. reine Text- oder reine Bildversionen einer Präsentation ausgeben können. Außerdem können eigene Vorlagen erstellt werden.
Für die Ausgabe in HTML stellt PP2HTML Platzhalter für die Inhaltselemente einer Präsentation zur Verfügung, mit denen das Aussehen der konvertierten Präsentation gesteuert werden kann. Solche Platzhalter gibt es z. B. für alle Bilder auf einer Folie, für die Überschriften, für Aufzählungslisten, aber auch die Navigation zwischen den Folien kann mittels Platzhalter gesteuert werden.
Ähnlich der Serienbrieffunktion in Textverarbeitungsprogrammen kann damit ein Layout realisiert werden, das dann durch PP2HTML mit den entsprechenden Inhalten gefüllt wird. Bei der Ausgabe wird jede separate Folie als eigene HTML-Datei ausgegeben, so dass mit entsprechenden Platzhaltern für die Navigation zwischen den Folien gesorgt werden muss.
Diese weitgehende Konfigurierbarkeit der Ausgabe ist dabei gleichzeitig das größte Problem beim Umgang mit PP2HTML. Für die gewünschte Ausgabevariante muss eine eigene Vorlage erstellt werden. Die mitgelieferten Vorlagen stellen zwar eine gute Grundlage dar, bieten aus Sicht der Barrierefreiheit aber nicht mehr, als auch mit dem IAWPW möglich ist. Letzterer unterstützt aber die Erstellung barrierefreier Versionen einer Präsentation durch Dialoge, welche die Angabe ergänzender Alternativtexten für Grafiken, Beschreibungen von Diagrammen und Beschriftungen von Tabellen ermöglicht und direkt sauber formatierte Versionen der Präsentation erzeugt. PP2HTML bietet zur Unterstützung lediglich einen Dialog, der die Eingabe von Alternativtexten zu Bildelementen ermöglicht und die vorhandenen Bildelemente neu sortieren kann, um die Reihenfolge bei der Ausgabe mittels Screenreader zu verbessern.
Vom Ansatz her ist PP2HTML mit dem IAWPW zu vergleichen, ist aber bei weitem nicht so leistungsfähig. Die mitgelieferten Vorlagen bieten alle kein valides HTML oder XHTML, so dass entsprechende Vorlagen erst erstellt werden müssen. Die dazu notwendigen Kenntnisse sind vergleichbar mit denen, die für die Arbeit mit S5, Slidy, Slideous oder DOMSlides notwendig sind. Dafür ist aber die Flexibilität von PP2HTML geringer als bei diesen reinen webbasierten Präsentationswerkzeugen.
Positiv
Negativ
Das
W3C Slidemaker Tool ist ein kleines, in Perl geschriebenes Programm, das aus einer HTML-Datei ein Set an Einzeldateien erzeugt und diese mit einer Navigation versieht. Ausgangsbasis ist dabei eine HTML-Datei mit allen Inhalten, die später in der Präsentation enthalten sein sollen. Dabei muss die Ausgangsdatei nach einer festgelegten Systematik aufgebaut sein, damit das Skript daraus eine Präsentation erzeugen kann. Die Präsentation selber ist relativ einfach aufgebaut. Die erste Folie enthält ein Inhaltsverzeichnis, von dem aus zu direkt zu einzelnen Folien navigiert werden kann. Jede Einzelfolie enthält darüber hinaus eine identisch aufgebaute Navigation, mit der eine Folie vor oder zurück sowie zum Inhaltsverzeichnis navigiert werden kann. Außerdem kann mit einem Mausklick zu einer Variante mit einem anderen Stylesheet gewechselt werden.
Die Präsentation basiert auf einfachem HTML und CSS; Animationseffekte oder eine automatische Schriftskalierung sind nicht vorgesehen. Dadurch können relativ einfach HTML-Präsentationen erstellt werden. Allerdings bietet das Werkzeug daher auch nicht viele Möglichkeiten. Die Präsentationen schneiden im BITV-Kurztest sehr gut ab, allerdings ist die Schrift schon zu groß, so dass sehr viel gescrollt werden muss. Auch der aktuelle Fokus könnte sowohl bei Maus- als auch bei Tastaturbedienung besser sichtbar sein.
Positiv
Negativ
Der Autor von DOMSlides sieht sein System als direkte Alternative zu S5. Es ist vom Ansatz her ähnlich, da auch bei DOMSlides sämtliche Folien in einer HTML-Datei integriert werden. Allerdings ist DOMSlides weniger komplex als S5 oder Slidy.
Aus Sicht der Barrierefreiheit ist das größte Problem bei der Arbeit mit DOMSlides die fehlerhafte Tastaturbedienung. Um nicht mit JavaScript die Tastatureingaben abfangen zu müssen setzt DOMSlides auf eine versteckte Auswahlliste, in die per JavaScript beim ersten Laden der Präsentation alle Folientitel eingetragen werden. Anschließend wird der Fokus fest auf dieses Formularelement gesetzt. Jede Betätigung der Cursor-Auf oder -Ab-Taste soll nun zur nächsten Folie navigieren. Diese Eigenart verhindert aber die problemlose Bedienung per Tastatur, da nun die herkömmlichen Links zur Navigation und zum Aufruf des Inhaltsverzeichnisses nicht mehr angesprungen werden können.
Positiv
Negativ
Slideous ähnelt S5 und Slidy, da auch hier alle Folien einer Präsentation in einer einzigen HTML-Datei zusammengefasst werden. So ist es mit Slideous nicht möglich, auch den Notizbereich einer Folie mit abzulegen. Der Text wird nicht automatisch skaliert; statt dessen kann der/die Nutzer/in die Größe der Schrift über den Navigationsbereich in der Fußzeile der Präsentation anpassen. Weiter ist eine vollständige Bedienung der Präsentation inkl. Größenanpassung der Schrift über die Tastatur möglich.
Beim Aufruf einer Präsentation wird automatisch ein Inhaltsverzeichnis erzeugt, welches als Auswahlliste aufgerufen werden kann. Über Variablen kann die Präsentation konfiguriert werden; so kann die Mausbedienbarkeit an- oder abgeschaltet oder die Größenanpassung der Schrift pro Skalierungsschritt eingestellt werden.
Slideous wird seit September 2005 nicht mehr weiterentwickelt. Außerdem verhindern ein paar Probleme eine barrierefreie Nutzung der Präsentation.
Positiv
Negativ